Raus aus der Machtlosigkeit – 5 Möglichkeiten, wieder in deine Macht zu kommen

Zerbrich die mentalen und emotionalen Ketten, die dich gefangen halten
Bild: Guitarfoto studio/shutterstock.com

Bevor du diesen Artikel liest, empfehle ich dir, dich mit den Gedanken und Erklärungen aus dem Artikel „Machtlos in der Beziehung, Macht im Leben? Um was es wirklich geht“ vertraut zu machen, um meine Ausführungen richtig einordnen zu können. Du findest in hier: https://beziehunghoch5.de/machtlos-in-beziehung/

Dort haben wir festgestellt, dass es ein absolutes Grundbedürfnis eines jeden Menschen ist, Macht auszuüben, also aktiv Einfluss auf sein Leben zu nehmen und die Wirkung davon zu erleben. Andernfalls wird das Leben unerfüllt, unglücklich, sinnlos und ungesund werden.

Ich gebe dir hier 5 Möglichkeiten an die Hand, mit denen du anfangen kannst, wieder in deine Macht zu kommen.

1. Die Macht der Entscheidungsfreiheit kann nicht genommen werden

Du hast die Wahl. Immer.

Wir sagen oft über Situationen, in denen wir uns unfrei fühlen:

  • “Ich musste das tun.”
  • “Ich hatte keine Wahl.”
  • “Die haben mich gezwungen.”
Kopf in der Zwinge, unter Druck gesetzt

Mit der dem Wort „gezwungen“, also der Zwinge, kommen wir der Wahrheit näher, denn objektiv gesehen ist die Situation so: 

Ich wurde so sehr unter Druck gesetzt, dass ich mich entschieden habe, mich deren Willen zu fügen, um Schmerzen, Verletzungen oder den Tod zu vermeiden.

Ich hatte also in der Tat die Macht, zu entscheiden:

  1. Ich wähle, mich dem Willen der anderen zu unterwerfen.
  2. Ich wähle, meinen Werten treu zu bleiben und nehme die Konsequenzen dafür in Kauf, auch wenn es Schmerzen, Verletzung oder Tod bedeutet.

Der Punkt ist nur, wir wehren uns vehement dagegen, Schmerzen, Verletzung oder Tod als gültige Wahlmöglichkeit zu sehen.

Doch was passiert, wenn wir dem nachgeben und diese unangenehmen Konsequenzen ausklammern wollen?

  • Wir geben unsere Macht ab. Dadurch werden wir machtlos. Wir schwächen uns selbst.
  • Dadurch erhalten andere mehr Macht. Andere werden größer und stärker als wir.
  • Wir werden erpressbar
  • Unser Wille und unser Rückgrat werden gebrochen. Wir lassen uns vor den Karren von anderen spannen und arbeiten nach deren Willen für deren Ziele. Wir handeln gegen unseren Willen. Dadurch verlieren wir die Achtung vor uns selbst und unsere Würde.
Mann vor der Entscheidung, schwarz oder weiß

Wenn wir uns jedoch dessen bewusst werden und bleiben, dass wir tatsächlich eine Wahl haben,

  • bleiben wir in unserer eigenen Macht,
  • bleiben wir in unserer Größe und Kraft,
  • sind wir selbst die Entscheider
  • und handeln entsprechend unserem eigenen Willen. Dadurch bewahren wir die Achtung vor uns selbst und unsere Würde.

Es ist ein immenser Unterschied, zu sagen:

  • Die haben mich gezwungen. Ich konnte nicht anders.”

oder: 

  • Ich habe mich dafür entschieden, dem Druck, den sie auf mich ausgeübt haben, nachzugeben, um meine Gesundheit und mein Leben zu retten.”

Die Worte, die wir verwenden, zeigen uns, ob wir uns in der Machtlosigkeit sehen oder in unserer Macht.

Es mag nicht die verlockendste Aussicht sein, aber es hat in der Geschichte immer wieder Persönlichkeiten gegeben, die bewusst den Tod gewählt haben, um ihre wahren Werte nicht zu verraten, sondern sich selbst treu zu bleiben, auch wenn es einen hohen Preis kostet.

Menschen wurden eingesperrt und konnten doch nicht ihrer Gedanken und ihres Geistes beraubt werden.

Achtung! Es gibt hier kein richtig und kein falsch.

Natürlich gibt es Situationen, in denen wir so sehr unter Druck gesetzt werden, dass wir uns entscheiden, uns dem Willen der anderen zu ergeben. Niemand könnte das einem Menschen als falsch ankreiden. Und es ist nur natürlich, dass man sich in so einer Situation unfair behandelt fühlt.

Wichtig ist es, ganz klar zu erkennen:

Auf uns kann Druck ausgeübt werden und es kann Gewalt gegen uns angewendet werden, doch unser Wille zur freien Entscheidung kann uns nicht weggenommen werden.

2. Akzeptiere die Realität

Wer die Realität, also das, was jetzt tatsächlich da ist, nicht sieht, oder wer gegen die Realität im Widerstand ist, ist nicht in seiner Macht.

Sehe ich die Realität oder eine Illusion?

Den Widerstand aufgeben heißt, sich der Wahrheit der Situation zu ergeben.

“Sich der Wahrheit der Situation zu ergeben, ist etwas völlig anderes, als sich der Situation zu ergeben.”

Teal Swan

Ein Beispiel erklärt die Bedeutung:

Wir sind auf dem Raumschiff Enterprise und werden von fremden, übermächtigen Wesen bedroht, die sagen: “Ihr seid in fremdes Territorium eingedrungen. Alle Besatzungsmitglieder müssen sterben oder sie werden versklavt. Ihr habt 1 Stunde Bedenkzeit für die Entscheidung.” Unser Schiff wird von den Fremden festgehalten und hat nicht die Möglichkeit, zu entkommen.

  1. Sich der Situation zu ergeben, hieße zu sagen: Die fremden Wesen sind mächtiger als wir. Wir haben nur noch die Möglichkeit zu entscheiden, ob wir unsere Freiheit aufgeben oder unser Leben.
  2. Sich der Wahrheit der Situation zu ergeben, heißt: Die fremden Wesen setzen uns extrem unter Druck. Alle bisher sichtbaren Möglichkeiten würden dazu führen, dass wir unsere Freiheit oder unser Weiterleben verlieren. Wir haben 1 Stunde Zeit, neue Möglichkeiten zu finden, unsere Freiheit und unser Weiterleben zu bewahren.

Im ersten Fall haben wir keine Macht mehr. Wir ergeben uns dem, was unausweichlich geschehen wird.

Wir sind total blockiert und schauen nur noch unserem unausweichlichen Schicksal entgegen. Damit fokussieren wir uns nur noch auf das, was wir nicht machen können.

Frau startet mit ihrer Idee ein Raumschiff

Im zweiten Fall sind wir in unserer Macht. Und nicht nur Captain Kirk oder Picard haben auf diese Weise Lösungen für aussichtslose Situationen gefunden.

Unser Geist ist frei, Lösungen zu finden, Möglichkeiten, die wir noch nicht erkannt haben.

Es ist wichtig, die Realität so zu erkennen und zu akzeptieren, wie sie tatsächlich ist.

Nur dann können sinnvolle und hilfreiche Entscheidungen und Maßnahmen getroffen werden.

Wenn wir uns weigern, die Situation wirklich umfassend anzuschauen, oder wenn wir sie verleugnen, berauben wir uns der Macht, etwas zu ändern und eine Lösung herbeizuführen.

3. Bestimme authentisch, worauf du deine Energie richtest

Deine wahren Werte sind die Quelle, aus denen du deine wahre Energie schöpfst.

  • Was sind deine Werte?
  • Was ist dir wirklich das Wichtigste in deinem Leben?
  • Was sind die Werte, die dir am meisten bedeuten?
  • Wofür willst du in deinem Leben wirklich eintreten?
  • Worauf willst du dich in deinem Leben fokussieren?

Du kannst dir selbst nur dann treu sein, wenn du deinen eigenen Werten treu bist.

Und du kannst deinen Werten nur dann treu sein, wenn du sie kennst, wenn sie dir klar und bewusst sind.

Du kannst dich nur dann in deiner Macht erleben, wenn du deine Energie entsprechend deiner Werte ins Leben fließen lässt.

Wenn du entgegen deinen Werten handelst, wirst du dich nicht in deiner Kraft fühlen.

Wir Menschen kommen in die maximale Kraft und erreichen den maximalen Energiefluss, wenn wir

  • erkennen, was wir tief in uns wirklich wollen
  • und es nach außen bringen, in Wort und Handlung.

Dies ist wahre Authentizität:

Was ist mir wirklich wichtig? Was will ich wirklich? 

Und wie äußere ich es? Wie verwirkliche ich es in meinem Leben? Was mache ich daraus?

Das Wort „Authentizität“:

  • Auth -> aus -> nach außen gehend
  • Entizität -> Entität -> Wesen

Wir sind also dann authentisch, wenn wir unser wahres Wesen nach außen wirken lassen.

Sängerin äußert authentisch Emotionen

Unser Wesen, unsere Werte, das was wir wirklich wollen, ist also unsere Energiequelle. In dem Moment, wo wir uns nach außen zeigen und im Außen verwirklichen, kommt unsere Energie ins Fließen.

Deine Macht resultiert daraus, dass du dein wahres Wesen verwirklichst.

4. Übernimm die Verantwortung für dich

Wir Menschen haben vielfach Erwartungen. Das können beispielsweise die Erwartungen sein,

  • dass der Arzt uns gesund macht,
  • dass der Partner uns glücklich macht,
  • dass der Boss uns sinnvolle Aufgaben gibt und uns pünktlich Geld gibt,
  • dass der Staat für uns sorgt und uns Sicherheit, Rente und Sozialhilfe gibt.

In solch einer Position delegieren wir die Verantwortung für uns selbst an andere. Damit geben wir unsere Macht an andere ab. Wir geben uns in deren Hand und machen uns von deren Wohlwollen abhängig.

Das nimmt uns unangenehmen Druck ab. Wir müssen uns keine Gedanken machen, was wir tun können, damit wir selbst für unser Wohl sorgen. Es ist einfach und bequem

Und es fühlt sich sogar sicher an: “Der Doktor weiß, was für meine Gesundheit gut ist.”

“Der Staat weiß, was für mich gut ist. So viele Experten können nicht irren.”

Tatsächlich kann kein anderer Mensch wissen, was für mich gut und richtig ist. Niemand außer mir selbst kann pauschal wissen, was ich wirklich brauche, damit es mir gut geht.

Es ist ein großer Unterschied, ob ich zu einem Arzt gehe und mir Expertenrat hole, oder ob ich sage: “Bitte mach mich gesund. Ich will, dass die Krankheit verschwindet und nichts weiter damit zu tun haben.”

Wie fühlt sich das an, weitgehend von jemand anderem abhängig zu sein?

In dem Moment, wo ich frage “Was kann ich selbst für meine Gesundheit tun?” fange ich an, die Verantwortung für meine Gesundheit zu übernehmen.

Ich nehme mein Wohlergehen in meine eigenen Hände. Ich sorge für mich.

Wie fühlt es sich an, für mich selbst da zu sein, für mich selbst einzustehen?

Wie sieht es in der Partnerschaft aus?

Schuldzuweisung in der Partnerschaft

Geben wir unserem Partner die Verantwortung dafür ab, dass es uns mit ihm gut geht oder schlecht? Gehen wir davon aus, dass er für unser Wohlergehen zu sorgen hat? Und wenn er es nicht gut genug macht, weisen wir ihm dann die Schuld zu?

Bild: Ollyy/shutterstock.com

Können wir auf diese Weise spüren, dass wir selbst Einfluss auf unsere Beziehung haben? Fühlen wir uns damit in unserer Macht?

Wie ist es, wenn wir stattdessen selbst aktiv werden, wenn wir Schritte unternehmen, Themen in der Partnerschaft zu klären? Wie ist es, wenn wir selbst die Verantwortung dafür übernehmen, unsere Wünsche und Bedürfnisse dem Partner klar mitzuteilen und selbst dafür Sorge tragen, dass sie erfüllt werden?

Und wie ist es, wenn wir für unser eigenes Wohlbefinden auch soweit gehen, dass wir uns einen neuen Partner suchen, wenn wir erkennen, dass der momentane Partner andere Ziele verfolgt und eine andere Lebensweise hat als wir selbst?

Glückliches Paar beim Kochen

Übrigens:

In einer gesunden Partnerschaft geht es beiden (bzw. allen) Partnern gut.

Wenn einer auf der Strecke bleibt, besteht dringender Handlungsbedarf!

Wie fühlt es sich an, wenn ich für mich und meine Bedürfnisse die Verantwortung übernehme?

Über das Thema “Raus aus der Opferrolle” ließen sich ganze Bücher schreiben. Es wird dazu auch ein gesonderter Artikel folgen. Verantwortung zu übernehmen, ist, neben anderen, ein wichtiger Aspekt dabei. Wenn du dich in einer Opferrolle siehst, kannst du aus dem hier Gesagten bereits ein paar Dinge ableiten.

Wenn du Verantwortung für dich übernimmst, was ändert das an deiner Position als Opfer?

5. Setze deine eigenen Ursachen

In unserer Welt spielen Ursache und Wirkung eine maßgebliche Rolle. Es ist, wie im eingangs erwähnten Artikel ausgeführt, elementar wichtig, dass wir uns selbstwirksam erleben.

Dazu müssen wir in der Position sein, dass wir sowohl Ursachen setzen als auch deren Wirkung erleben können.

Nicht von ungefähr gründen z.B. viele Menschen ihr eigenes Unternehmen. Sie haben erlebt, dass sie nicht selbst die Ursache für ihr Tun im Beruf waren und auch nicht die Wirkung erleben durften. Ihr Chef hat die Ursachen gegeben und sie haben nur die Anweisungen ausgeführt. Die Wirkung, z.B. höherer Umsatz, hat die Firma abbekommen, aber nicht sie selbst.

Als Entrepreneur erfolgreich und glücklich

In ihrem eigenen Unternehmen stehen sie nicht nur in ihrer Selbstverantwortung sondern auch in ihrer Selbstwirksamkeit. Sie setzen die Ursachen und erleben ihre Wirkung.

Ein Mensch, der nur seinen Chef für die schlechte Situation am Arbeitsplatz verantwortlich macht, erfährt nur die Wirkung von seinem Chef, nicht seine eigene.

Wenn ich nur meinen Partner dafür verantwortlich mache, dass er mich nicht genug liebt oder unterstützt, dann erfahre ich nur seine Wirkung, nicht meine.

Erst wenn ich mich in die Position begebe, die Ursachen selbst zu setzen, kann ich meine eigene Wirkung erleben.

In welchen Situationen bist du in der Position, wo du nur die Wirkung von anderen erfährst?

Welche Veränderungen kannst du vornehmen, damit du selbst Ursachen setzt?

Welche positiven Impulse kannst du jetzt für deine Partnerschaft setzen?

Zusammenfassung

Wir haben die Wahl. Immer. Auch wenn uns die Auswahlmöglichkeiten nicht gefallen mögen. Man kann auf uns so viel Druck ausüben, dass wir uns entscheiden, uns zu fügen, aber niemand kann uns unsere Macht der Entscheidungsfreiheit nehmen.

Unsere Macht haben wir nur, wenn wir die Realität, also die Wahrheit der Situation, wirklich erfassen und akzeptieren: “Ja, auch wenn es nicht schön ist, es ist so.”

Unsere Kraft entspringt unseren Werten, also dem was wir wahrhaftig wollen und was uns wirklich wichtig ist. Indem wir das nach außen ins Leben bringen, fließt unsere Lebensenergie.

Dadurch, dass wir Verantwortung für uns und unser Leben übernehmen, lösen wir uns aus ungesunden Abhängigkeiten.

Indem wir eigene Ursachen in unserem Leben setzen, erleben wir unsere eigene Selbstwirksamkeit.

Natürlich gibt es noch weit mehr Möglichkeiten, die du nutzen kannst, um mehr und mehr in deine Macht zu kommen. Ich habe dir hier 5 wichtige Beispiele gezeigt.

Es ist nicht Sinn und Zweck, nun alles in deinem Leben in deine Macht zu nehmen. Das würde jeden Menschen überfordern. Es gibt durchaus viele Situationen, wo es hilfreich und stimmig ist, dich in die Hände von anderen zu geben.

Entscheidend ist, dass du erkennst, dass das Entscheiden darüber bereits deine Macht ist.

Persönlicher Kontakt

ist mir wichtig, weil gerade bei Beziehungsthemen nur persönlicher Kontakt wirklich hilft.